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Rhein-Neckar-Zeitung
7.1.2010
Südländisches
Temperament und kultivierte Reife
Abenteuerlust in
Sachen Repertoire: Das Klavierduo Taglieri/Genitoni und Moritz Ernst bei der
Heidelberger Klavierwoche im Deutsch-Amerikanischen Institut
Von Klaus Roß
K.R. Kein Musikfestival der Region hält Jahr für Jahr eine
solche Fülle an entdeckenswerten Raritäten parat wie die Heidelberger
Klavierwoche. Die von der Jahrhundertwende-Gesellschaft gegründete und seit
langem vom Deutsch-Amerikanischen Institut mitveranstaltete Konzertreihe erlebt
jetzt immerhin ihre 22. Auflage - eine stolze Bilanz gerade wegen des
konsequenten Mutes zu unkonventionellen Programmen.
DAI-Chef Jakob Köllhofer setzt bei den von seinem Institut
beigesteuerten Klavierwochen-Abenden weiterhin auf verheißungsvolle
Nachwuchskräfte: Den Anfang machte mit Moritz Ernst ein junger deutscher
Pianist, dessen künstlerisches Engagement neben dem modernen Konzertflügel
ebenso dem Cembalo und der Alten Musik gilt. Von dieser unter anderem an der
Baseler Schola Cantorum vertieften Beschäftigung mag auch jene scharfsinnige
Klarheit geprägt sein, welche den DAI-Debütauftritt des 23-jährigen Detmolders
auszeichnete. Beeindruckend war die klangkultivierte Reife seines Spiels, ganz
und gar exzeptionell seine Abenteuerlust in Sachen Repertoire. Ausgesprochen
klassisch-schlicht interpretierte er zu Beginn Brahms‘ späte Intermezzi op. 117
und ließ so deren intimen Bekenntniston umso stimmiger deutlich werden.
Den ersten Raritäten-Coup lieferte Moritz Ernst mit fünf fein
geschliffenen Klavierstücken des heute fast vergessenen Wahl-Müncheners Joseph
Suder (1892-1980), der vor allem als Pädagoge wirkte. Zu entdecken waren höchst
aparte Miniaturen zwischen Brahms-naher Innigkeit und neoklassizistisch-luzidem
Esprit, beispielhaft liebevoll und pointen-sicher dargeboten. Als wunderbare
Reverenz an den einstigen Heidelberger Musikhochschuldirektor Ernst Lothar von
Knorr (1896-1973) erwies sich die sechsteilige „Nächlliche Suite" (I948),
deren suggestiven Farben- und Stimmungsreichtum der junge Pianist ebenso
filigran wie energiegeladen auszukosten wusste. Diese herausragende Klavierkomposition
von Knorrs hätte einen festen Platz im Repertoire verdient.
Wie souverän Moritz Ernst selbst mit kapitalsten technischen
und stilistischen Herausforderungen umzugehen versteht, zeigte das in jeder
Hinsicht konzertkrönende Monumentalwerk „Fantasia contrappuntistica"
(1910) von Ferruccio Busoni. Wie er den knapp vierzigminütigen Koloss aus
Fugen- und Choralvariationen in all seinen spirituellen und virtuosen Ekstasen
ohne Spannungsverluste zelebrierte, hatte wahrhaft großes Format.
Expressive Leidenschaft, gestalterische Intelligenz und
pianistische Gewandtheit fanden hier zu ideal werkgerechter Balance - ein
besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Heidelberger Klavierwoche. Das
begeistert erklatschte Debussy-Prélude „Ce qu’a vu le vent d’Ouest“ folgte als
überschäumend vitaler Epilog.
Südkurier Friedrichshafen
Im Tongespinst der
freien Ideen
Mit einem spannungsgeladenen Programm von zwei Werken
Beethovens und zweier Komponisten der Neuen Musik – Miklos Maros und Viktor
Ullmann – fesselte der 1986 in Nordrhein-Westfalen geborenen Moritz Ernst die
Zuhörer im Kiesel. Dazu wählte er die bekanntere Sonate in As-Dur, op.26 von
Beethoven, die gegenüber dem alten Sonatenschema auch schon Neues bringt. Sie
beginnt nämlich mit einem ernsten Andante con variazioni, dessen Thema der
junge Pianist mit großer Ruhe liedhaft den fünf Variationen voranstellte und es
in der 1. Variation mit vollklingend gebrochenen Akkorden elegant umspielte.
Die folgende Veränderung forcierte er mit dramatisch belebten Staccati und
federnden Repetitionen. In rhythmischen Synkopen führte die 3. Variation bei
zunehmender Dynamik schon zu stärkerer Veränderung des Themas.
Jugendliches Temperament legte der technisch versierte
Pianist beim Scherzo in stürmischem Allegro molto an den Tag, das sich in
kraftvoller Dynamik von dem weicher gehaltenen Trio abhob.
In straffer Punktierung und schwer lastender Harmonik bekam
der Trauermarsch seinen düsteren Charakter, pointiert noch durch harte
Akkordschläge und Trommelwirbel mit rollenden Zweiunddreißigstel-Tremoli im
Mittelteil. Wie gemeißelt stiegen die Basstöne empor. In sehr angezogenem Tempo
wurde das Schluss-Allegro in sicher dahinstürmenden Achter- und Sechzehntelfiguren
zum brillanten Spielstück, das selbst in den starken Bewegungsimpulsen
transparent und feingliedrig blieb.
Zweihundert Jahre übersprang Moritz Ernst mit dem
ungarischen Komponisten Miklós Maros, einem Ligeti- Schüler des Jahrgangs 1943.
Seine Sonate für Klavier aus dem Jahr 2002 begann mit einem Lento in zart
impressionistischer Färbung, aber auch fein reibenden Klängen, wobei der
Pianist feinfühlig auf das Einzeltongeschehen in fast meditativem Spiel
einging. Welch dynamischer Kontrast dann im Allegro bei aufsteigendem
Tongewühle und changierender Klangatmosphäre, ähnlich wie bei Ligeti! Virtuos
vermischte Ernst die engen Figurationen und kontrastierte sie mit vital
ausgespielten Arpeggien. Beim 2. Satz hoben sich die plastisch ausgeformten
Einzeltöne vom Trillergeschehen markant ab bis hin zu flächenhaftem Tongespinst
und raffinierten Klangeffekten.
Nochmals zurück zu Beethoven führte dessen selten gespielte
Fantasie in H- Dur, op. 77. Es war ein echtes Phantasieren, wie Ernst ohne
feste Formvorgabe, nur durch Skalen verbunden, von Idee zu Idee wechselte,
angefangen von einer schlichten Melodie, die dann ins Tänzerische und bruchlos
in virtuose Arpeggien übergingen. Dann endlich tritt die zarte H-Dur-Melodie
auf, über die Beethoven neun Variationen verfasste. Einmal war das Thema
ätherisch verhüllt, dann wieder akkordisch aufgeladen, rhythmisch aufgebrochen
oder der Klang intensiviert, um letztlich die Melodie in fremdartiger Harmonik
noch einmal aufblühen zu lassen.
Wie Miklos Maros ist auch Viktor Ullmann selten im
Konzertsaal zu hören. 1898 in Teschen geboren und 1944 im Konzentrationslager
Auschwitz gestorben, hat er bei Schönberg Komposition studiert und neben
Kammermusik auch Klaviersonaten geschrieben, wovon Moritz Ernst die Sonate Nr.
6 op.49 in expressivem Spiel interpretierte. Schon betont motorisch nach der
Art russischer Komponisten begann das Allegro molto und faszinierte in
zupackend rhythmischer Auslegung und massiver Klangwucht, wogegen das Andante
eher impressionistisch gefärbt war und von zart empfindsamen Tönen bestimmt
wurde. Das Allegro grazioso knüpfte bei den Variationen an Beethoven an,
wogegen dann das Presto als bitterböser Walzer und dämonische Entladung die
emotionale Breite der Komposition unterstrich. Dabei beeindruckte beim
Interpreten die reiche Ausdrucksgestaltung in fulminanter Technik.
Ehrlicher Beifall für dieses junge Klaviertalent, das sich
noch mit Debussys „Ce qu'a vu le vent d'ouest“ als hochdramatisches
Klavierstück à la Liszt als Zugabe bedankte.
Franz Josef Lay
Mannheimer Morgen
5.1.2010
Musikalische Monologe
Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch
Manches Mal hat der Konzertgänger tatsächlich den Eindruck,
„den Namen sollte man sich merken". In diese Kategorie spielte sich der
23-Jährige Moritz Ernst mit seinem Auftritt bei der Klavierwoche im Heidelberger
Deutsch-Amerikanischen Institut hinein. Denn der Name scheint Programm: Dieser
Pianist hat ein scheinbar sperriges Programm mit Stücken überwiegend aus dem
20. Jahrhundert in eindrucksvoller Nachdenklichkeit und tiefer Durchdringung
vorgestellt, ihm geht es dabei weniger ums Vorzeigen manueller Fähigkeiten,
sondern um den Kern der Musik, der er sich mit gestalterischer Sorgfalt
annimmt.
Seelische Versenkung
Zu eigenwilliger, ja monologischer Innenschau nutzte er die
drei Intermezzi op.117 von Brahms; maßvoll, zwischen kontrolliertem Aufblühen
und seelischer Versenkung. Spröde Gedanklichkeit unterlegte er den
Klavierstücken von Joseph Suder, dem 1980 gestorbenen Münchner Komponisten.
Kompositionen, zwischen spätromantischem Flair und expressionistischem
Liebäugeln angesiedelt, die weniger instrumentenspezifisch als inhaltlich
gedacht sind. Was auch für die „Nächtliche Suite" des Ernst Lothar von
Knorr gelten mag. Ernst ging in seiner Interpretation auf die metaphorische
Ebene, wenn er den „Festmarsch" in Richtung Groteske trimmte, oder der
Formatierung des Finalstücks „Dem neuen Tag" bedrohliche Aspekte abgewann.
Im Hauptwerk des Abends aber, der 1910 entstandenen
„Fantasia contrappuntistica" von Ferruccio Busoni, trieb er die monomane Vorstellungswelt
des Komponisten in Richtung architektonischer Assoziation. Dieses an Bach
orientierte Wunderwerk führte Ernst als Synthese aus strenger Fugentechnik,
artistischer Expressivität und klanglicher Fantasie aus, bestürzende
Implosionen eingeschlossen. Dass seine Finger auch reinen Spaß am Tastengewitter
haben können, zeigte er mit dem Debussy-Prélude „Was der Westwind gesehen
hat" als Zugabe.
Classical
Music
28.2.2009
Moritz Ernst plays Malcolm Arnold. Entercom
Saurus ESR 901O8
A German
who deftly captures the breezy English wit of Arnolds keyboard canon? Ernst
amply fills the bill, weaving what are not the composer’s most substantial
works into an attractive package.
Four out of
five stars ****
Harzer Volksstimme
27.1.2009
Unglaublich, dass ein
Cembalo wie eine Gitarre klingen kann
„Stunde der
Klassik" heißt die Konzertreihe des Fördervereins Kammerorchester
Wernigerode in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. Doch MD Christian
Fitzner setzt besonders in dieser Saison auf weit mehr als Klassik und weitet
das Repertoire kräftig in Richtung neue und neueste Musik aus.
Von Hans Walter
Wernigerode. Vom neuen Musikangebot in der Konzertreihe ist
das Publikum nicht geschockt. Im Gegenteil. Es lässt sich von den ungewohnt
neuen Klängen in den Bann ziehen. So in der dritten Aufführung der „Stunde der
Klassik" am Freitagabend. Die Operette der Neujahrskonzerte hatte zu
schweigen. Hier erklang von dem 1926 in Lugos (Banat) geborenen György Kurtág
„Merrans Dream" für Streichorchester aus den New Messages opus 34a. Der
österreichische Vielvölkerstaat aus Ungarn, Siebenbürger Sachsen und Rumänen
wirkte in seinen hochkultivierten Einflüssen nach. Kurtág nahm 1948 die
ungarische Staatsbürgerschaft an, aber wurde zum Weltbürger, durch Bela Bartok
wie von Olivier Messiaen und Darius Milhaud beeinflusst. Seit 1987 ist er
Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und der Berliner
Akademie der Künste. „Merrans Dream" wurde im Januar 2000 von den Berliner
Philharmonikern uraufgeführt. Ein hauchzartes Klanggewebe im Pianissimo.
Vertraut und fremd, exotisch und irritierend gleichermaßen. Eine Miniatur,
deren Musik Hartmut Lück als Cicerone durch die Kurtágschen Empfindungswelten
trefflich beschreibt: „Sie ist zerbrechlich, schutzlos, wie unbeholfen tastend
durchs Weglose, schwankend zum Rand des Verstummens hin - aber dabei glühend
von emotionaler Intensität." Die Streicher des Philharmonischen
Kammerorchesters zeigten einmal mehr ihre herausragenden Qualitäten, waren
bestens studiert und folgten sensibel jeder Gefühlsregung Fitzners.
Aufregend auch das Konzert für Cembalo und kleines Orchester,
Halbreich-Verzeichnis H 246, von Bohuslav Martinu (1890-1959). Martinu war ein
Alleskönner. Er schrieb Opern wie Sinfonien, Kammermusik wie Vokalwerke und
bestimmte das Musikleben der Welt wesentlich mit. Drei Violinen, eine Viola,
Cello und Bass, dazu Flöte, Oboe und Klavier als kleiner Orchesterapparat mit
einem Cembalo als Soloinstrument - hier bewiesen das ungemein frisch und
inspiriert aufspielende Orchester und der junge Cembalist Moritz Ernst ihre
Meisterschaft. Mit minimalsten Mitteln entstanden spielerisch-heitere Klänge
von melodischem Reichtum und fröhlicher Vitalität wie in dem 1935 entstandenen
Konzert, das dem Cembalo eine Renaissance bescherte. Moritz Ernst, 1986 im
nordrhein-westfälischen Salzkotten geboren, machte die intensive Tonsprache
Martinus am Cembalo zum Hörgenuss. Die Musiker spielten stehend, ihre Spielfreude
war offenkundig und übertrug sich rasch aufs Publikum.
Eingangs des Abends hatte Moritz Ernst bereits mit Joseph Haydns
Klavierkonzert D-Dur für Streicher, Oboen und Hörner brilliert. Ob Haydn seine
Werke für Cembalo oder für Klavier schrieb, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall
vermittelte die Aufführung ein wundervolles Erlebnis, das der Entstehungszeit
vor 240 Jahren wohl sehr nahe kam. Sein Instrument beherrschte in weiten
Solopassagen und Kadenzen kunstvoll das Geschehen, vom Orchester im exzellenten
Zusammenspiel assistiert. Da war absolute Spannung! Die Stiftung Kloster
Michaelstein hatte den Cembalo-Nachbau der Firma Neupert nach einem Vorbild aus
der französischen Werkstatt Blanchet zur Verfügung gestellt; die
Musikhistorikerin Monika Lustig trug zudem mit einem Originalbeitrag im
Programmheft zum Cembalo-Verständnis bei.
Als Zugabe beschenkte der 22-jährige Cembalist das Publikum mit
György Ligetis „Hungarian Rock". Unglaublich, dass ein Cembalo wie eine
Gitarre klingen kann - bei Moritz Ernst war diese kunstvolle Metamorphose zu
erleben! Ein junger Virtuose von Rang, der im Barock und der Frühklassik ebenso
zu Hause ist wie im 20. und 21. Jahrhundert.
Als Kehraus hatte Christian Fitzner nach der Pause die Sinfonie
Nr. 1 D-Dur von Franz Schubert aufs Programm gesetzt. Ein kräftiges,
deftig-effektvolles Werk, das die künftige Meisterschaft des erst 16-jährigen
Komponisten beweist. Das Jahr 1813 mit seinen weltpolitischen Ereignissen
spielt gewiss hinein. Aber merkwürdig - nach dem intensiven Musikerlebnis im
ersten Teil hätte es des Schubertschen Paukenwirbels und Trompetendonners nicht
unbedingt bedurft.
Die Oberbadische
23.4.2008
Feuerwerk an den
Tasten
Moritz Ernst auf dem
„Jungen Podium"
Von Jürgen Scharf
Lörrach. Die Überraschung kam nach der Pause. Nachdem der
gerade mal Anfang 20-jährige Moritz Ernst die Variationen und Doppelfuge von
Viktor Ullmann über ein Thema von Schönberg sehr klar strukturiert, analytisch
und mit virtuosem Passagenwerk an diesem Sonntagmorgen auf dem „Jungen Podium"
im Burghof zu Ende gebracht hat, kehrt er mit weißen Handschuhen auf die Bühne
zurück und beginnt, den Flügel zu traktieren.
Der junge Pianist schreckt nicht vor Extremen wie Karlheinz
Stockhausens 1956 entstandenem Klavierstück X zurück, einem Werk mit wirklich
radikalen Klangeffekten, voll von Clustern und eruptiven Sprengsätzen. Der Spieler
muss die Tasten mit Fäusten, Unterarmen und Ellbogen runterdrücken und trägt
die Fingerhandschuhe wegen der Verletzungsgefahr. Bei diesem Werk des Agent
provocateur Stockhausen, der im vergangenen Jahr verstorben ist, wird der
Pianist so zum Musikdarsteller. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Technik -
und die ist immens - exekutiert Moritz Ernst diese an sich doch gewaltsame, ja
brachiale Musik, die vor allem eins ist: Klang. Die Bedeutung der Klangfarben
war Stockhausens Anliegen und sein Interpret gibt diesem Werk zwischen Chaos
und Ordnung Klanggestalt.
Gegen dieses Stahlsaiten-Klanggewitter, bei dem mancher
Zuhörer zusammenzuckte, den Kopf schüttelte und unruhig mit dem Programmzettel
nestelte, war der erste Programmteil mit zwei Sonaten von Mozart und Beethoven
noch vergleichsweise harmlos. Schon bei einem vorigen Auftritt in der
Klavierreihe im Institut für bildnerisches Denken in Grenzach-Wyhlen war aufgefallen,
dass Moritz Ernst ein Klavier-Intellektueller ist und ihm vom Spielertypus die
Neue Musik gut liegt. Dies bestätigte sich auch bei seinem Debüt im Burghof. Wobei
man auch sagen muss, dass Ernst mehr Affinität zu Beethoven als zu Mozart hat.
Beethovens As-Dur-Sonate op. 28 fängt er schön und differenziert
an, gut im Tempo, adäquat gespielt. Seine großen, für einen Pianisten ideal
durchgebildeten Hände kommen ihm natürlich vor allem in dem technisch horrend
schwierigen und als nahezu unspielbar geltenden Stück von Stockhausen sehr
entgegen. Anerkennender Applaus nach dieser bemerkenswerten Matinee in der
Reihe der Förderkonzerte, bei der Moritz Ernst auch in den beiden Zugaben
zeigte, dass er gern andere Wege geht: In „Ile de feu" von Messiaen legt
dieser manuell so brillante Nachwuchspianist ein weiteres Tastenfeuerwerk hin.
Gramophone
6.2009
Arnold
Entercom Saurus
ESR90108
Sparky interpretations - a German pianist
champions English music
No one
could accuse Moritz Ernst of being a merely dutiful champion of Arnold's piano
music. Dull he is not. Listen to his take on the early stages of the 1944 Variationson
a Ukrainian Folksong, one of Arnold's first major successes, and how he
relishes the elements of mischief and skittish unpredictability in this music
(I also like the way he leans on those delicious blues harmonies in Var 3). By
the side of the compellingly improvisatory, freewheeling Ernst, Mark Bebbington
(Somm, 2/07) is a model of unruffled grace and decorum. It's a similar tale in
the B minor Sonata of 1942, and stimulating to have such complementary and
divergent views of this repertoire.
In
addition, Ernst gives us a first recording of the suite for piano that Arnold
devised from his exuberant ballet Homage
to the Queen (a 1953 Coronation offering), and he brings irrepressible
spirit and heaps of character (if rather less in the way of charm) to the
ever-popular Scottish Dances (heard in John York's effective transcription) and
the Eight Pieces, Op 36, that Arnold dedicated to his own children.
Alas, the
engineering (complete with tiring treble "ping", shifting perspectives,
occasional distortion and only-too-audible pedal action) is a major
stumbling-block, while the ravens nesting within the grounds of Schloss Moyland
in Germany contribute frequent "noises off" of their own. Moreover,
there are a couple of edits with which to contend, the most glaring being at 1'
11" in "The Queen of the Air" from Homage to the Queen (tr 15). And why no proper gaps between
individual works? In a word, frustrating.
Andrew
Achenbach
Freie Presse Chemnitz
Insektarium im
Oberlichtsaal
Neue Konzertreihe
startet im Museum Gunzenhauser mit Cembalomusik
„Kontext Musik" heißt eine neue Konzertreihe im Museum
Gunzenhauser und man möchte mit ihr hörbare Bögen spannen von Entwicklungen in
der Musik zu Werken der im Museum beheimateten Bildenden Kunst.
Das erste Konzert trug den Untertitel „Malerei und Musik im
Alten Stil" und war der beeindruckenden Sammlung der Portraits und
Landschaften von Otto Dix aus den Jahren 1930 -1942 konzeptionell zugeeignet.
Was die vom jungen Pianisten und Cembalisten Moritz Ernst
hervorragend dargebotenen Werke u.a. von Byrd, Bach, Cowell und Ligeti mit der
Farbabbildung auf dem Programmblatt (einem Aquarell von Fritz Sruckenberg) und
den Bildern von Otto Dix, welche leider nur vor dem inneren Auge derjenigen
sichbar wurden, welche zu einem früheren Zeitpunkt zur persönlichen
Bildbetrachtung gekommen waren, nun genau verbinden sollte, war schwer zu
erspüren, zumal man während des Konzertes stets unausweichlich von Horst Antes
großer Figur oder dem „Schlaf der Freiheit" von Karl Horst Hödike umgeben
war.
Dessen ungeachtet erlebten die interessierten Zuhörer ein
Cembalokonzert, welches wahrhaft weite Bögen spannte zwischen dem rund
vierhundert Jahre „jungen" Stück „All in a Garden Green" des
englischen Virginalisten William Byrd und dem wild - ekstatisch, stolpernd -
pulsierenden „Hungarian Rock" von György Ligeti.
Und was es sonst noch alles zu entdecken gab zwischen diesen
beiden Werken, hat mancher Freund der Cembalomusik dann doch nicht so vermutet.
Sicherlich, Barockes von Händel (Suite Nr.2 F-Dur) und Bach (Vier Duette aus
der Klavierübung Teil III) erfüllte die Erwartungen, zumal excellent und
nuancenreich gespielt wurde. Als aber Tausendfüßler, Wasserspinnen. Meeresflöhe
und Ameisen von Jean Francaix „L'insectarium" (1959) aus dem Cembalodeckel
krabbelten, staunte man schon schmunzelnd erregt.
Miklos Maros „Bogen" rückte sich ganz in die Nähe von
Ligeti und „Set of Four" von Clustererfinder und großartigem Inspirator
nicht nur der amerikanischen Musik, Henry Cowell, hinterliess einen tiefen
Eindruck. Mit der ihm geradezu eigensinnigen Art. Traditionelles in Rondo und
Choral mit herrlich irren Clusterklängen zu durchsetzen, ein Fugenthema in den
Raum zu stellen, bei welchem sich andere Komponisten ob seiner Kürze und
scheinbaren Plattheit die Haare gerauft hätten, gelingt Cowell ein großartiges
Stück Musik. Das Publikum dankte zum Konzertende begeistert und bekam von
Moritz Ernst das Ende der Bachschen Goldbergvariationen mit auf den
sonntäglichen Heimweg.
-wink-
Badische Zeitung
MORITZ ERNST
präsentierte in seinem
Konzert im Kurhaus Badenweiler ein Feuerwerk von Klangfarben auf dem Piano
Der junge Pianist Moritz Ernst erfreute am Flügel Augen und
Ohren seines Publikums durch brillantes, virtuoses Spiel mit einer enorm
reichhaltigen Palette an Klangfarben unterschiedlichster Nuancierungen.Er
leitete das Konzert ein mit den selten gespielten Variationen op.34 von L. v.
Beethoven melodisch mit vielen Trillern die er mit Leichtigkeit und Ausdauer,
feinstens differenziert spielte.
Die Suite "Im Freien" von Bela Bartok erfreute das
Publikum durch Gegensätze von kraftvollen donnernden und ganz langsamen leisen
Passagen besonders im Kernstück "Klänge der Nacht" einem der
Schlüsselwerke des 20. Jh. Trommeln, Pfeifen, Zwitschern, Rauschen und Zirpen wurden
mühelos hörbar durch die geschmeidige Technik da Ton, Klang, Farbe und Dynamik
keine Wünsche offen ließen. Nach der Pause präsentierte Moritz Ernst die „Theme
et variations“ von Lili Boulanger und die ebenfalls selten gespielte Sonate
op.106 des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel wobei es ihm gelang über eine
halbe Stunde einen Spannungsbogen zu erhalten und sein Publikum zu fesseln.
manch einer im Publikum konnte es kaum fassen, mit welcher Leichtigkeit,
Geschwindigkeit, Ausdauer und Zielsicherheit die Hände bei diesem horrend
schweren Werk über die Tasten flogen. Als Zugabe wurde sehr plastisch ein
Prélude von Debussy und eine Polka von Sir Malcolm Arnold geboten, welche
besonders die humoristische Seite des virtuosen Pianisten Moritz Ernst zeigte.
Das äußerst beeindruckte Publikum, welches konzentriert und nahezu regungslos
den Klängen lauschte bedankte sich für diesen Abend mit langem und rhythmischem
Beifall.
Ob Klavier oder auch am Cembalo - man darf sich sicher auf
weitere Konzerte mit Moritz Ernst in Badenweiler freuen.
Badische Zeitung
Harte Kost für
Freunde der Klaviermusik
Moritz Ernst spielte
in Grenzach-Wyhlen Stockhausen
Schön bequem sitzen die Klavierfreunde auf den neuen
Sitzkissen im Konzertraum des Instituts für bildnerisches Denken in Grenzach-Wyhlen.
Aber mit dem gemütlichen Zurücklehnen und entspannten Lauschen ist es an diesem
Abend spätestens dann vorbei, wenn der Junge Pianist Moritz Ernst mit weißen
Fingerhandschuhen Karlheinz Stockhausens nach wie vor spektakuläres
Klavierstück X auf führt, von dem es einmal ziemlich drastisch hieß: „Mehr
Prügel als Flügel…“ Man war also vorgewarnt.
Und tatsächlich sprengt dieses Stück schon die gewohnten
Dimensionen, bringt den Interpreten wie die Zuhörer in Grenzbereich des Spiel-
und Hörbaren. Der Flügel wird hart ran genommen bei den Klavier-Attacken von
brachialer Wucht und Heftigkeit. Da wird mit vollem Einsatz gespielt, nicht nur
mit den Fingern, sondern auch mit den Handballen wie in den Glissandi im Pianissimo
oder mit den Unterarmen wie in den so genannten „Doppelunterarm-Clustern“.
Dabei gilt der 20-jährige Moritz Ernst, der an diesem Abend kurzfristig
für die erkrankte Marie-Luise Hinrichs eingesprungen ist, noch als einer der
„lyrischsten" Interpreten dieses Klavierstücks. Er stürzt sich nicht nur
mit donnernder Kraft, sondern auch mit analytischem Kopf in dieses radikale
Klavierwerk, das heute, rund 50 Jahre nach seiner Entstehung, wohl schon ein „Klassiker"
der modernen Musik ist.
Harte Kost und Provokation ist dieser Stockhausen nach wie
vor: Die schroffen Gegensätze von laut und leise, schnell und langsam, die
strukturellen Abläufe, die asymmetrische Rhythmik, die geballten
Cluster-Kaskaden, die Extreme und jähen Wechsel zwischen brutal gehämmerten
Klängen und dem langen Ausschwingen und Ausklingen lassen machen das Hören
schon anstrengend.
Dagegen kam einem der Schönberg zuvor noch wie reinster
Balsam für die Ohren vor. Schönbergs „Sechs Klavierstücke" op.19, die
Anton von Webern einmal als „zarte, unglaublich ausdrucksvolle Gebilde“
bezeichnet hat, klingen in ihrer aphoristischen miniaturhaften Kürze fast schon
entmaterialisiert. Moritz Ernst spielt sie auch sehr schön, leicht hingetupft,
filigran und luftig, und doch immer hochpräzise. Fast nahtlos schließt der
Pianist aus Paderborn die Variationen und Doppelfuge op. 3a von Viktor Ullmann
über ein Thema von Schönberg an. Bei allem pianistischen Furor gegen Schluss
dieser „Schönberg-Variationen" bleibt Moritz Ernst immer beherrscht,
selbst in den wild ausbrechenden Passagen. (…)
Roswitha Frey
Die Zeitschirft
"Partituren" (Ausgabe 8/2006)
machte eine Umfrage an 56 "führende deutsche Musikkritiker".
Die Frage lautete:"Welcher Musiker beeindruckt Sie derzeit am
meisten?" Hierbei wurde Moritz Ernst von Sigfried Schibli (Basel) in der
Rubrik "Nachwuchs" genannt.
Beim Abschlusskonzert des Pianofestivals Feuchtwangen
stellte Moritz Ernst seine enorme Virtuosität unter Beweis.
(...) Die Arpeggien spielte er ungeheuer fließend und die
kleinen Tonschritte mit ungeheurer Weichheit.
(...) Vom Allegro confuoco der Brahmssonate [Op.1] gelang
ihm eine wahrhaft feurige Interpretation. Dies gelang vor allem durch die
breite Dynamik und die ungeheure Schnelligkeit, die er in sein Spiel legte.
(...) Die großen Fortepassagen wirkten gewaltig.
(...) Kraftvolles Finale eines gelungenen Konzertes!
Fränkische Landeszeitung
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