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Montréal, 20.10.2015, Michel Gonneville:
Le pianiste Moritz Ernst est d’une virtuosité époustouflante. La puissance sonore qu’il génère est parfois assourdissante. Ses trilles grésillent parfois comme des grillons. Il a interprété toutes les œuvres du concert de la Chapelle avec une conscience aigüe des différences et des personnalités esthétiques. Peu de temps avant son concert, il donnait une conférence-concert au matralab sur les compositeurs ostracisés par le régime nazi. Fascinés par une telle intelligence, on ne peut que souhaiter le retour fréquent à Montréal de cet artiste.


Martin Schrahn, 18.9., Revierpassagen
...Und es ist erstaunlich, wie sehr das Orchester (Dortmunder Philharmoniker) sowie der vorzügliche Pianist Moritz Ernst die Stimmungen in aller Klarheit nachzeichnen. Aufregend attackierend der Beginn, fein das lyrische Fortschreiten in regelmäßigem Puls, frech der skurrile, scherzohafte Teil à la Mahler, versehen mit einer Prise Jazz. Der Solist, der ganz unspektakulär zu Werke geht, entpuppt sich allerdings als unerbittlicher Rhythmiker. Bar jeden virtuosen Gehabes erschließt er uns besonders die bedrohliche Atmosphäre des Stücks. Die Dortmunder Philharmoniker wiederum sind Partner auf Augenhöhe...


12.8.2014

Dramen am Klavier

Frenetischer Applaus für Moritz Ernst Matinee im Kammermusiksaal des Steingraeber-Hauses

BAYREUTH Von Sönke Remmert

Moritz Ernst, Stipendiat des Richard- Wagner-Verbandes Bayreuth, gab am Samstag eine hochinteressante Kla- viermatinee im Kammermusiksaal des Steingraeber-Hauses. Das Programm umfasste Kompositionen aus Barock, Wiener Klassik und Moderne. Ernst ge- staltete jedes der Werke als ein Ton- drama voller subtiler Schattierungen in Tempo und Dynamik – und überraschte damit sehr positiv.

So sind die beiden barocken Variationszyklen, die den Auftakt der Veranstaltung bildeten, für das Cembalo komponiert. Eine eher lyrische, weniger auf Tempokontraste zielende Darbietung hätte ein historisches Tasten- instrument zwingend vorausgesetzt, um nicht ermüdend zu wirken. Ernsts sehr flexible Deutung machte diese Kompositionen zu quasi-romantischen Szenen und belebte sie so für das moderne Klavier entschieden. Die „Gavotte Varié“ von Rameau, dessen Todestag sich im September übrigens zum 250. Mal jährt, wurde zur Charakterstudie á la Schumann, Händels Chaconne zu einer Art Miniatur-Sinfonie.

Wahre Entdeckungen für das Klavier boten die folgenden Werke der Moderne: Die 2002 komponierte Sonate von Miklós Maros (geboren 1943) entpuppte sich als geistvolle Komposition in der Tradition von Liszt, Debussy und Ravel – voller dynamischer, harmonischer und klanglicher Facetten.

Viktor Ullmanns (1898-1944) Sonate Nr. 2 ist ein Werk, das harmonische Finessen Brahms‘ genial mit Wagners und Liszts Klangballungen verbindet. Für beides gelang Moritz Ernst ein grandioses Plädoyer. Als Tondrama voller fantastischer Einfälle gestaltete

Ernst Beethovens großartige späte As- Dur-Sonate Op. 110. Da Beethoven zu Lebzeiten vor allem als Klavier-Impro- visationskünstler berühmt war, sind so frappierende Tempowechsel am Tas- teninstrument bei weitem nicht so problematisch wie in den Sinfonien. Ernst präsentierte den Kopfsatz mit sich ständig steigernder Emphase, das fantasieartige Finale geradezu als Zeitreise zwischen barocken Arien und Klang- Eruptionen in der Nähe Liszts oder gar Skrjabins.

Über Ernsts sehr kontrastreiches Spiel von Barockmusik und Beethoven kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Auf jeden Fall bringt er sehr interessante Züge dieser Musik zum Klingen. Jedes Werk, jeden Satz macht er zum Drama am Klavier.

Für den frenetischen Applaus im Kammermusiksaal des Steingraeber- Hauses bedankte sich Moritz Ernst mit zwei Zugaben von Maros und Rameau. 


Berner Zeitung, 24.6.2013
Edward Staempflis 2. Klavierkonzert, virtuos interpretiert vom Solisten Moritz Ernst (mit dem Sinfonieorchester Bern unter Mario Venzago)

Bund, 24.6.2013
...eine luzide Interpretation die von hohem Verständnis des Stückes zeugt...

RNZ
Musikalisches Gegacker am Flügel
LEUTERSHAUSEN. Moritz Ernst ist ein
interessanter Pianist. Er spielt außergewöhnlich, aber nicht exzentrisch. Wie nur wenige Interpreten ist er in der Lage, die innersten Seiten einer Komposition zum Klingen zu bringen. Jeden Ton scheint er mit scharfsinniger Erkenntnis auszuleuchten und gleichzeitig mit emotionaler Einsicht durchzudringen. So entstehen jene Konzerterlebnisse, die einfach begeistern, berühren und bewegen. Nicht alltäglich deshalb auch in der Alten Synagoge seine Programmauswahl mit Solowerken von Barock bis Moderne, bei der er schon von Beginn an mit Werken von Jean-Philippe Rameau für Furore sorgte. Denn dieser Komponist ist „eines der sichersten Fundamente der Musik“, wie es kein Geringerer als Claude Debussy gegenüber diesem vielseitigsten französischen Musiker der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausdrückte. Was auch schon exemplarisch deutlich wurde bei Rameaus „Gavotte varie Sarabande“, in tiefgründiger Betrachtung von Ernst erarbeitet. Ein Werk mit einem geradezu liedhaften Thema zu Beginn mit edler und ausdrucksvoller Melodik, die sich aber dann zum Ende hin in einem Staccato-Gehämmer auflöste. Schon bei diesem Werk kam die Virtuosität und das perfekte musikalische Können des Pianisten voll zur Geltung. Fantastisch wie er danach Rameaus Werk „Les Trois mains“ (Die drei Hände) mit seinen auf der Klaviatur schwer auszuführenden Stimmkreuzungen servierte. Schnell muss die linke Hand über die rechte Hand kreuzen und sogleich vom Diskant wieder in den Bass so schnell zurückkehren, sodass die klangliche Täuschung entsteht, der Pianist hat drei Hände. Mit seiner Interpretation ließ Ernst dieses Virtuosenstück nur so funkeln - eine der von Rameau so geliebten pianistischen
Spielereien. Das galt aber auch für das von Rameau mit nahezu dramatisch angelegten Entwicklungslinien komponierte Stück „La Poule“ (Das Huhn), in dem sehr schnelle Tonrepetitionen das Gegacker von aufgeregten Hühnern darstellen. Es ist eines von Rameaus kraftvollsten Stücken, da es aus einer Anzahl von ähnlichen Themen besteht, die das gackernde Motiv in verschiedendster Form wiedergeben. Auf einen kargeren Ton war hingegen das Werk von Violeta Dinescu abgestimmt, das den Vogelflug von Blauracke, Sturmtaucher, Stelzenläufer, Sandregenpfeifer und Birkenhänfling interpretierte, dramatisch aufgeladen von schroffen Bass-Akkorden und zerrenden Diskant-Strudeln. Eine hochexpressive Angelegenheitwie auch das Stück „Bird in space“ (Vögel im Raum) von Gabriel Iranyi. Leichter zu erfassen waren die Klangbilder nach der Pause. Mit den von Ernst sehr schön austarierten Stimmungsbildern mit bezaubernder Klangwirkung hatte man bei der „Chaconne G-Dur“ den Komponisten Georg Friedrich Händel in bester Spiellaune vor Augen, der in diesem Werk seiner Phantasie weitgehendst Raum lässt. Der Pianist zeigte auch gutes Gespür für die Stileigenarten der durchaus heiklen „Kammersonate“ des Heidelberger Komponisten Ernst Lothar von Knorr. Ludwig van Beethovens „Sonate As-Dur op. 110“ war der Höhepunkt des Konzerts. Weit ausschwingend der lyrisch ausgeformte Kopfsatz „Moderato cantabile molto expressivio“, geprägt von hoher Feierlichkeit, dem ein rhythmisches, schlagkräftiges Scherzo folgte, dem sich dermehrteilige Schlusssatz mit seinem fast sakralen Charakter anschloss, der zu einer überaus klanggewaltigen Schlussapotheose hinführte. Herrlich wie der Pianist in diesem großartigen Werk Klangwolken, Motive und Melodien herauslöste, aber bei aller Gestaltungsfreiheit sich doch stets in den Dienst des Komponisten stellte. Das war große Kunst. Den überaus begeisterten Beifall quittierte Ernst mit einer Zugabe.
G. J.


Boras Tidningen, 31.10.2012
Rolf Haglund

Der Klavierabend im Kunstmuseum letzten Montag war wie kein anderer. Der deutsche Pianist Moritz Ernst hat sich mit einem Programm auseinandergesetzt, so halsbrecherisch daß es mit der dreimaligen Besteigung eines musikalischen Mount Everest zu vergleichen war. Ernst, 1986 geboren, ist früher Gast in Kalv gewesen. Er hat als Fünfjähriger angefangen zu spielen, und spielt alles von Renaissancemusik bis zu den Zeitgenossen, mit Betonung auf den drei B:s – Bach, Beethoven, Brahms. Aber angesichts des Boråsprogrammes erbleicht alles – die Uraufführung von Allgéns hochvirtuosem Från ciss till cess, Stockhausens Klavierstück X und Busonis Fantasia contrappuntistica.
Mit Fingern wie Lerchenflügel flatternd im Allgén, und dem ganzen Unterarm bis zu den Fingerspitzen im Stockhausen, schafft er es doch den Gefahren einer leeren Virtuosität auszuweichen. Beide Komponisten haben merkwürdige, menschliche Qualitäten von heute, Qualitäten von Kraft und Besinnung, bekommen. Das Chaos und der kalte Krig den 50-iger Jahren hat Relevanz auch in der Wirklichkeit von heute, vielleicht besonders bei Stockhausen. Das Stück ist wieder wie neu, jetzt aber ohne teknokratische Zungenreden. Die Uraufführung von Allgén hat uns einen Sonderling gezeigt, der mitten in einer unerbittlichen Ausgesetztheit doch ein tragendes Melos gefunden hat.
Busoni hat uns in die Arme Bachs geworfen, da er in der Fantasia contrappuntistica die unvollendete letzte Quadruppelfuge aus Kunst der Fuge fertigkomponiert hat, und sie in den kunstvollsten Rahmen eingefügt hat. Busonis Bach-Romantik mag Geschichte sein, aber besonders der Visionario-Abschnitt hat eine impressionistische Eigenart die die wechselnden Zeiten überlebt.
Traurig daß eines der großartigsten Konzerte die Borås je erlebt hat, nur so wenige Zuhörer versammelt hat.


Neue Züricher Zeitung, 25.5.2012

Im Zeichen des Cembalos
tsr

Ein Cembalo verbindet man gewöhnlich mit Barockmusik. Dass das Instrument aber auch in der zeitgenössischen Musik eine Rolle spielen kann, offenbarte das letzte Saisonkonzert des Musikpodiums im Vortragssaal des Kunsthauses. Mit dem Cembalisten Moritz Ernst stand zudem ein phänomenaler Interpret zur Verfügung, der die vertracktesten Partituren mit größter Selbstverständlichkeit umsetzte.


Mannheimer Morgen, 7.1.2012
Gegensätze faszinieren

Moritz Ernst hat den Anschein eines Botschafters. Eines Botschafters der Neuen Musik, mit all ihren polyphonen und harmonischen Gegensätzen, die der junge Pianist selbst in sich zu tragen scheint. Und doch genau aus diesem Spannungsfeld heraus überrascht und fasziniert er das Publikum der 24. Heidelberger Klavierwoche im Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg (DAI). Mit einem eigensinnigen Programm, geprägt durch akzentuierte klangliche Impulsivität und berührende Sanftmut, zieht Ernst mit spielerischer Kraft die Zuhörer in den Bann - und entlässt sie nach zwei Zugaben (von William Alwyn und mit Louriés "Petite Suite en fa") gar mit einem Lächeln.
Schönheit und Tragik
Anfangs scheinbar abwesend und kühl tritt der 1986 geborene, groß gewachsene Virtuose an den Flügel: hagere Gestalt, blasse Wangen, sanfter Blick, Nickelbrille - am Hals leuchtet eine knallgrüne Schleife. Entschlossen und akkurat beginnt er mit dem empfindsamen ersten Teil der Beethoven Sonate op. 28 - doch diese ist nur ein Vorspiel, die hin zur eigentlichen Leidenschaft des Pianisten führt - der Neuen Musik. Zwischen Beethoven, Franz Liszts erhabenem "Cantico di San Francesco" und den traumartigen Preludes von Claude Debussy ("Les collines d'Anacapri", "Des pas sur la neige", "Ce qu'a vu le vent d'Ouest") bettet Ernst dramaturgisch gekonnt die schwer verdaulichen, wenig bekannten Werke von Norbert von Hannenheim und Viktor Ullmann ein, beide Schüler des Komponisten Arnold Schönberg (1874-1951). Gewaltig, trotzig wirkt die Interpretation von Hannenheims Sonate Nr. 3, bei der Ernst zu spielerischer Hochform aufläuft. So kraftvoll wie ätherisch zart malt er mit sicherer Hand die wohltuenden Klangfarben Debussys in den Großen Saal des DAI.
Das Wissen um die Entstehung Ullmanns fünfter Sonate, dem Konzertfinale, lässt einen erschauern. Er soll sie während der Internierung im KZ Theresienstadt komponiert haben. Wahrlich ein besonderer Klavierabend, wie ihn DAI-Direktor Jakob Köllhofer angekündigt hatte. ssc


Rhein Neckar Zeitung, 13.10. 2011

Er fühlte jede Note
Anja Stepic

(...)Dort am Flügel saß ein ganz faszinierender Musiker. Irgendwo anzusiedeln zwischen Genie, musikalischer Kapazität, Perfektionist und unendlichem Gefühl. Kaum legte Ernst seine Hände auf die Tasten, war er nicht mehr anwesend - entschwunden in dem Werk das er gerade spielt. Ja, er wurde selbst zu diesem Werk. Ernst fühlte jede Note mit ganzer Seele, das verriet nicht nur seine einfühlsam - entrückte Mimik, sondern auch die expressive Dramatik, mit der seinen Flügel mal lebhaft streichelte, mal leidenschaftlich forderte.
200 Jahre weiter in der Musikgeschichte ging es mit einer melodisch punktierten Interpretation der unter dem Namen "Pastorale" bekannten Sonate op.28 von Ludwig van Beethoven. Den Übergang zum 20.Jh. bildeten 3 Préludes von Claude Debussy, gefolgt von der Klaviersonate Nr.5 des von den Nazis verfolgten Komponsiten Viktor Ullmann und der Sonate D-Dur des modernen Heidelberger Komponisten Ernst Lothar von Knorr.
Sowohl der Musiker Moritz Ernst als auch sein knapp zweistündiges Konzert waren selbstbewusst, hochklassig und souverän. Schlichtweg "perfekt". (...)


Rolf Haglund in Boras – Tidningen 16.08.2009

Ein sagenhafter deutscher Cembalist, Moritz Ernst, 22 Jahre alt, spielte ein gleich sagenhaftes Programm. Er fing mit dem Komponisten Byrd aus dem 16. Jahrhundert (1543 – 1623) an (nach Glenn Gould der Erzengel des Klavierspiels) mit sechs beinahe modernen Variationen, setzte danach mit Jean Francaix Sechs Insekten-Portaits fort, die noch viel spannender geworden wären, wenn man aus dem Programm die Insekten hätte wiedererkennen können:  ein Tausendfüßler,  ein Marienkäfer, Ameisen oder, am wirkungsvollsten, der vierte: Skarabäus, und der sechste, ein Wasserfloh. Miklos Maros , Ernsts Favorit trug mit einem Stück bei, das gespickt mit Kontrapunktik war. Danach folgte eine Fingerfertigkeit, die alles übertraf, was ich je gehört habe: vom Vater des Clustertechnik Henry Cowell, und Ligetis gewaltig schwingender  „Hungarian Rock“.



Rhein-Neckar-Zeitung

7.1.2010

Südländisches Temperament und kultivierte Reife

Abenteuerlust in Sachen Repertoire: Das Klavierduo Taglieri/Genitoni und Moritz Ernst bei der Heidelberger Klavierwoche im Deutsch-Amerikanischen Institut

Von Klaus Roß

K.R. Kein Musikfestival der Region hält Jahr für Jahr eine solche Fülle an entdeckenswerten Raritäten parat wie die Heidelberger Klavierwoche. Die von der Jahrhundertwende-Gesellschaft gegründete und seit langem vom Deutsch-Amerikanischen Institut mitveranstaltete Konzertreihe erlebt jetzt immerhin ihre 22. Auflage - eine stolze Bilanz gerade wegen des konsequenten Mutes zu unkonventionellen Programmen.

DAI-Chef Jakob Köllhofer setzt bei den von seinem Institut beigesteuerten Klavierwochen-Abenden weiterhin auf verheißungsvolle Nachwuchskräfte: Den Anfang machte mit Moritz Ernst ein junger deutscher Pianist, dessen künstlerisches Engagement neben dem modernen Konzertflügel ebenso dem Cembalo und der Alten Musik gilt. Von dieser unter anderem an der Baseler Schola Cantorum vertieften Beschäftigung mag auch jene scharfsinnige Klarheit geprägt sein, welche den DAI-Debütauftritt des 23-jährigen Detmolders auszeichnete. Beeindruckend war die klangkultivierte Reife seines Spiels, ganz und gar exzeptionell seine Abenteuerlust in Sachen Repertoire. Ausgesprochen klassisch-schlicht interpretierte er zu Beginn Brahms‘ späte Intermezzi op. 117 und ließ so deren intimen Bekenntniston umso stimmiger deutlich werden.

Den ersten Raritäten-Coup lieferte Moritz Ernst mit fünf fein geschliffenen Klavierstücken des heute fast vergessenen Wahl-Müncheners Joseph Suder (1892-1980), der vor allem als Pädagoge wirkte. Zu entdecken waren höchst aparte Miniaturen zwischen Brahms-naher Innigkeit und neoklassizistisch-luzidem Esprit, beispielhaft liebevoll und pointen-sicher dargeboten. Als wunderbare Reverenz an den einstigen Heidelberger Musikhochschuldirektor Ernst Lothar von Knorr (1896-1973) erwies sich die sechsteilige „Nächlliche Suite" (I948), deren suggestiven Farben- und Stimmungsreichtum der junge Pianist ebenso filigran wie energiegeladen auszukosten wusste. Diese herausragende Klavierkomposition von Knorrs hätte einen festen Platz im Repertoire verdient.

Wie souverän Moritz Ernst selbst mit kapitalsten technischen und stilistischen Herausforderungen umzugehen versteht, zeigte das in jeder Hinsicht konzertkrönende Monumentalwerk „Fantasia contrappuntistica" (1910) von Ferruccio Busoni. Wie er den knapp vierzigminütigen Koloss aus Fugen- und Choralvariationen in all seinen spirituellen und virtuosen Ekstasen ohne Spannungsverluste zelebrierte, hatte wahrhaft großes Format.

Expressive Leidenschaft, gestalterische Intelligenz und pianistische Gewandtheit fanden hier zu ideal werkgerechter Balance - ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Heidelberger Klavierwoche. Das begeistert erklatschte Debussy-Prélude „Ce qu’a vu le vent d’Ouest“ folgte als überschäumend vitaler Epilog.


 

Südkurier Friedrichshafen

Im Tongespinst der freien Ideen

Mit einem spannungsgeladenen Programm von zwei Werken Beethovens und zweier Komponisten der Neuen Musik – Miklos Maros und Viktor Ullmann – fesselte der 1986 in Nordrhein-Westfalen geborenen Moritz Ernst die Zuhörer im Kiesel. Dazu wählte er die bekanntere Sonate in As-Dur, op.26 von Beethoven, die gegenüber dem alten Sonatenschema auch schon Neues bringt. Sie beginnt nämlich mit einem ernsten Andante con variazioni, dessen Thema der junge Pianist mit großer Ruhe liedhaft den fünf Variationen voranstellte und es in der 1. Variation mit vollklingend gebrochenen Akkorden elegant umspielte. Die folgende Veränderung forcierte er mit dramatisch belebten Staccati und federnden Repetitionen. In rhythmischen Synkopen führte die 3. Variation bei zunehmender Dynamik schon zu stärkerer Veränderung des Themas.

Jugendliches Temperament legte der technisch versierte Pianist beim Scherzo in stürmischem Allegro molto an den Tag, das sich in kraftvoller Dynamik von dem weicher gehaltenen Trio abhob.

In straffer Punktierung und schwer lastender Harmonik bekam der Trauermarsch seinen düsteren Charakter, pointiert noch durch harte Akkordschläge und Trommelwirbel mit rollenden Zweiunddreißigstel-Tremoli im Mittelteil. Wie gemeißelt stiegen die Basstöne empor. In sehr angezogenem Tempo wurde das Schluss-Allegro in sicher dahinstürmenden Achter- und Sechzehntelfiguren zum brillanten Spielstück, das selbst in den starken Bewegungsimpulsen transparent und feingliedrig blieb.

Zweihundert Jahre übersprang Moritz Ernst mit dem ungarischen Komponisten Miklós Maros, einem Ligeti- Schüler des Jahrgangs 1943. Seine Sonate für Klavier aus dem Jahr 2002 begann mit einem Lento in zart impressionistischer Färbung, aber auch fein reibenden Klängen, wobei der Pianist feinfühlig auf das Einzeltongeschehen in fast meditativem Spiel einging. Welch dynamischer Kontrast dann im Allegro bei aufsteigendem Tongewühle und changierender Klangatmosphäre, ähnlich wie bei Ligeti! Virtuos vermischte Ernst die engen Figurationen und kontrastierte sie mit vital ausgespielten Arpeggien. Beim 2. Satz hoben sich die plastisch ausgeformten Einzeltöne vom Trillergeschehen markant ab bis hin zu flächenhaftem Tongespinst und raffinierten Klangeffekten.

Nochmals zurück zu Beethoven führte dessen selten gespielte Fantasie in H- Dur, op. 77. Es war ein echtes Phantasieren, wie Ernst ohne feste Formvorgabe, nur durch Skalen verbunden, von Idee zu Idee wechselte, angefangen von einer schlichten Melodie, die dann ins Tänzerische und bruchlos in virtuose Arpeggien übergingen. Dann endlich tritt die zarte H-Dur-Melodie auf, über die Beethoven neun Variationen verfasste. Einmal war das Thema ätherisch verhüllt, dann wieder akkordisch aufgeladen, rhythmisch aufgebrochen oder der Klang intensiviert, um letztlich die Melodie in fremdartiger Harmonik noch einmal aufblühen zu lassen.

Wie Miklos Maros ist auch Viktor Ullmann selten im Konzertsaal zu hören. 1898 in Teschen geboren und 1944 im Konzentrationslager Auschwitz gestorben, hat er bei Schönberg Komposition studiert und neben Kammermusik auch Klaviersonaten geschrieben, wovon Moritz Ernst die Sonate Nr. 6 op.49 in expressivem Spiel interpretierte. Schon betont motorisch nach der Art russischer Komponisten begann das Allegro molto und faszinierte in zupackend rhythmischer Auslegung und massiver Klangwucht, wogegen das Andante eher impressionistisch gefärbt war und von zart empfindsamen Tönen bestimmt wurde. Das Allegro grazioso knüpfte bei den Variationen an Beethoven an, wogegen dann das Presto als bitterböser Walzer und dämonische Entladung die emotionale Breite der Komposition unterstrich. Dabei beeindruckte beim Interpreten die reiche Ausdrucksgestaltung in fulminanter Technik.

Ehrlicher Beifall für dieses junge Klaviertalent, das sich noch mit Debussys „Ce qu'a vu le vent d'ouest“ als hochdramatisches Klavierstück à la Liszt als Zugabe bedankte.

Franz Josef Lay


Kaleidoskop von Dichter-Liedern
29.10.2009 – Allgemeine Zeitung Bingen
Von Gernot Blume
MEISTERKONZERT Vertonte Hommage an George
(...)
Das Dilemma dieser Spannung wurde virtuos von der Sängerin Eva Csapò und Moritz Ernst am Klavier musiziert, die sich beide dezent als Diener hinter der imaginär und übergroß erscheinenden Silhouette des Dichters zu inszenieren wussten. Einen bestechenden Eindruck machte der junge Pianist, der, bisweilen scheinbar marionettengleich von unsichtbaren Fäden gehalten, die schwierigen Partituren mit Gleichmut durchschritt, die Palette von feinmattem Ton zu strahlender Klarheit mit selbstvergessener Sicherheit zu bedienen wusste. Wie sollte es auch anders sein: Das Klavier und mit ihm die Komponisten tragen diese Musik. 


Musikalische Monologe

Mannheimer Morgen

5.1.2010

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Manches Mal hat der Konzertgänger tatsächlich den Eindruck, „den Namen sollte man sich merken". In diese Kategorie spielte sich der 23-Jährige Moritz Ernst mit seinem Auftritt bei der Klavierwoche im Heidelberger Deutsch-Amerikanischen Institut hinein. Denn der Name scheint Programm: Dieser Pianist hat ein scheinbar sperriges Programm mit Stücken überwiegend aus dem 20. Jahrhundert in eindrucksvoller Nachdenklichkeit und tiefer Durchdringung vorgestellt, ihm geht es dabei weniger ums Vorzeigen manueller Fähigkeiten, sondern um den Kern der Musik, der er sich mit gestalterischer Sorgfalt annimmt.

Seelische Versenkung

Zu eigenwilliger, ja monologischer Innenschau nutzte er die drei Intermezzi op.117 von Brahms; maßvoll, zwischen kontrolliertem Aufblühen und seelischer Versenkung. Spröde Gedanklichkeit unterlegte er den Klavierstücken von Joseph Suder, dem 1980 gestorbenen Münchner Komponisten. Kompositionen, zwischen spätromantischem Flair und expressionistischem Liebäugeln angesiedelt, die weniger instrumentenspezifisch als inhaltlich gedacht sind. Was auch für die „Nächtliche Suite" des Ernst Lothar von Knorr gelten mag. Ernst ging in seiner Interpretation auf die metaphorische Ebene, wenn er den „Festmarsch" in Richtung Groteske trimmte, oder der Formatierung des Finalstücks „Dem neuen Tag" bedrohliche Aspekte abgewann.

Im Hauptwerk des Abends aber, der 1910 entstandenen „Fantasia contrappuntistica" von Ferruccio Busoni, trieb er die monomane Vorstellungswelt des Komponisten in Richtung architektonischer Assoziation. Dieses an Bach orientierte Wunderwerk führte Ernst als Synthese aus strenger Fugentechnik, artistischer Expressivität und klanglicher Fantasie aus, bestürzende Implosionen eingeschlossen. Dass seine Finger auch reinen Spaß am Tastengewitter haben können, zeigte er mit dem Debussy-Prélude „Was der Westwind gesehen hat" als Zugabe.


 

Classical Music

28.2.2009

Moritz Ernst plays Malcolm Arnold. Entercom Saurus ESR 901O8

A German who deftly captures the breezy English wit of Arnolds keyboard canon? Ernst amply fills the bill, weaving what are not the composer’s most substantial works into an attractive package.

Four out of five stars ****


 

Harzer Volksstimme

27.1.2009

Unglaublich, dass ein Cembalo wie eine Gitarre klingen kann

„Stunde der Klassik" heißt die Konzertreihe des Fördervereins Kammerorchester Wernigerode in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. Doch MD Christian Fitzner setzt besonders in dieser Saison auf weit mehr als Klassik und weitet das Repertoire kräftig in Richtung neue und neueste Musik aus.

Von Hans Walter

Wernigerode. Vom neuen Musikangebot in der Konzertreihe ist das Publikum nicht geschockt. Im Gegenteil. Es lässt sich von den ungewohnt neuen Klängen in den Bann ziehen. So in der dritten Aufführung der „Stunde der Klassik" am Freitagabend. Die Operette der Neujahrskonzerte hatte zu schweigen. Hier erklang von dem 1926 in Lugos (Banat) geborenen György Kurtág „Merrans Dream" für Streichorchester aus den New Messages opus 34a. Der österreichische Vielvölkerstaat aus Ungarn, Siebenbürger Sachsen und Rumänen wirkte in seinen hochkultivierten Einflüssen nach. Kurtág nahm 1948 die ungarische Staatsbürgerschaft an, aber wurde zum Weltbürger, durch Bela Bartok wie von Olivier Messiaen und Darius Milhaud beeinflusst. Seit 1987 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und der Berliner Akademie der Künste. „Merrans Dream" wurde im Januar 2000 von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt. Ein hauchzartes Klanggewebe im Pianissimo. Vertraut und fremd, exotisch und irritierend gleichermaßen. Eine Miniatur, deren Musik Hartmut Lück als Cicerone durch die Kurtágschen Empfindungswelten trefflich beschreibt: „Sie ist zerbrechlich, schutzlos, wie unbeholfen tastend durchs Weglose, schwankend zum Rand des Verstummens hin - aber dabei glühend von emotionaler Intensität." Die Streicher des Philharmonischen Kammerorchesters zeigten einmal mehr ihre herausragenden Qualitäten, waren bestens studiert und folgten sensibel jeder Gefühlsregung Fitzners.

Aufregend auch das Konzert für Cembalo und kleines Orchester, Halbreich-Verzeichnis H 246, von Bohuslav Martinu (1890-1959). Martinu war ein Alleskönner. Er schrieb Opern wie Sinfonien, Kammermusik wie Vokalwerke und bestimmte das Musikleben der Welt wesentlich mit. Drei Violinen, eine Viola, Cello und Bass, dazu Flöte, Oboe und Klavier als kleiner Orchesterapparat mit einem Cembalo als Soloinstrument - hier bewiesen das ungemein frisch und inspiriert aufspielende Orchester und der junge Cembalist Moritz Ernst ihre Meisterschaft. Mit minimalsten Mitteln entstanden spielerisch-heitere Klänge von melodischem Reichtum und fröhlicher Vitalität wie in dem 1935 entstandenen Konzert, das dem Cembalo eine Renaissance bescherte. Moritz Ernst, 1986 im nordrhein-westfälischen Salzkotten geboren, machte die intensive Tonsprache Martinus am Cembalo zum Hörgenuss. Die Musiker spielten stehend, ihre Spielfreude war offenkundig und übertrug sich rasch aufs Publikum.

Eingangs des Abends hatte Moritz Ernst bereits mit Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur für Streicher, Oboen und Hörner brilliert. Ob Haydn seine Werke für Cembalo oder für Klavier schrieb, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall vermittelte die Aufführung ein wundervolles Erlebnis, das der Entstehungszeit vor 240 Jahren wohl sehr nahe kam. Sein Instrument beherrschte in weiten Solopassagen und Kadenzen kunstvoll das Geschehen, vom Orchester im exzellenten Zusammenspiel assistiert. Da war absolute Spannung! Die Stiftung Kloster Michaelstein hatte den Cembalo-Nachbau der Firma Neupert nach einem Vorbild aus der französischen Werkstatt Blanchet zur Verfügung gestellt; die Musikhistorikerin Monika Lustig trug zudem mit einem Originalbeitrag im Programmheft zum Cembalo-Verständnis bei.

Als Zugabe beschenkte der 22-jährige Cembalist das Publikum mit György Ligetis „Hungarian Rock". Unglaublich, dass ein Cembalo wie eine Gitarre klingen kann - bei Moritz Ernst war diese kunstvolle Metamorphose zu erleben! Ein junger Virtuose von Rang, der im Barock und der Frühklassik ebenso zu Hause ist wie im 20. und 21. Jahrhundert.

Als Kehraus hatte Christian Fitzner nach der Pause die Sinfonie Nr. 1 D-Dur von Franz Schubert aufs Programm gesetzt. Ein kräftiges, deftig-effektvolles Werk, das die künftige Meisterschaft des erst 16-jährigen Komponisten beweist. Das Jahr 1813 mit seinen weltpolitischen Ereignissen spielt gewiss hinein. Aber merkwürdig - nach dem intensiven Musikerlebnis im ersten Teil hätte es des Schubertschen Paukenwirbels und Trompetendonners nicht unbedingt bedurft.


 

Die Oberbadische

23.4.2008

Feuerwerk an den Tasten

Moritz Ernst auf dem „Jungen Podium"

Von Jürgen Scharf

Lörrach.  Die  Überraschung kam nach der Pause. Nachdem der gerade mal Anfang 20-jährige Moritz Ernst die Variationen und Doppelfuge von Viktor Ullmann über ein Thema von Schönberg sehr klar strukturiert, analytisch und mit virtuosem Passagenwerk an diesem Sonntagmorgen auf dem „Jungen Podium" im Burghof zu Ende gebracht hat, kehrt er mit weißen Handschuhen auf die Bühne zurück und beginnt, den Flügel zu traktieren.

Der junge Pianist schreckt nicht vor Extremen wie Karlheinz Stockhausens 1956 entstandenem Klavierstück X zurück, einem Werk mit wirklich radikalen Klangeffekten, voll von Clustern und eruptiven Sprengsätzen. Der Spieler muss die Tasten mit Fäusten, Unterarmen und Ellbogen runterdrücken und trägt die Fingerhandschuhe wegen der Verletzungsgefahr. Bei diesem Werk des Agent provocateur Stockhausen, der im vergangenen Jahr verstorben ist, wird der Pianist so zum Musikdarsteller. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Technik - und die ist immens - exekutiert Moritz Ernst diese an sich doch gewaltsame, ja brachiale Musik, die vor allem eins ist: Klang. Die Bedeutung der Klangfarben war Stockhausens Anliegen und sein Interpret gibt diesem Werk zwischen Chaos und Ordnung Klanggestalt.

Gegen dieses Stahlsaiten-Klanggewitter, bei dem mancher Zuhörer zusammenzuckte, den Kopf schüttelte und unruhig mit dem Programmzettel nestelte, war der erste Programmteil mit zwei Sonaten von Mozart und Beethoven noch vergleichsweise harmlos. Schon bei einem vorigen Auftritt in der Klavierreihe im Institut für bildnerisches Denken in Grenzach-Wyhlen war aufgefallen, dass Moritz Ernst ein Klavier-Intellektueller ist und ihm vom Spielertypus die Neue Musik gut liegt. Dies bestätigte sich auch bei seinem Debüt im Burghof. Wobei man auch sagen muss, dass Ernst mehr Affinität zu Beethoven als zu Mozart hat.

Beethovens As-Dur-Sonate op. 28 fängt er schön und differenziert an, gut im Tempo, adäquat gespielt. Seine großen, für einen Pianisten ideal durchgebildeten Hände kommen ihm natürlich vor allem in dem technisch horrend schwierigen und als nahezu unspielbar geltenden Stück von Stockhausen sehr entgegen. Anerkennender Applaus nach dieser bemerkenswerten Matinee in der Reihe der Förderkonzerte, bei der Moritz Ernst auch in den beiden Zugaben zeigte, dass er gern andere Wege geht: In „Ile de feu" von Messiaen legt dieser manuell so brillante Nachwuchspianist ein weiteres Tastenfeuerwerk hin.


 

Gramophone

6.2009

Arnold

Entercom Saurus ESR90108

Sparky interpretations - a German pianist champions English music

No one could accuse Moritz Ernst of being a merely dutiful champion of Arnold's piano music. Dull he is not. Listen to his take on the early stages of the 1944 Variationson a Ukrainian Folksong, one of Arnold's first major successes, and how he relishes the elements of mischief and skittish unpredictability in this music (I also like the way he leans on those delicious blues harmonies in Var 3). By the side of the compellingly improvisatory, freewheeling Ernst, Mark Bebbington (Somm, 2/07) is a model of unruffled grace and decorum. It's a similar tale in the B minor Sonata of 1942, and stimulating to have such complementary and divergent views of this repertoire.

In addition, Ernst gives us a first recording of the suite for piano that Arnold devised from his exuberant ballet Homage to the Queen (a 1953 Coronation offering), and he brings irrepressible spirit and heaps of character (if rather less in the way of charm) to the ever-popular Scottish Dances (heard in John York's effective transcription) and the Eight Pieces, Op 36, that Arnold dedicated to his own children.

Alas, the engineering (complete with tiring treble "ping", shifting perspectives, occasional distortion and only-too-audible pedal action) is a major stumbling-block, while the ravens nesting within the grounds of Schloss Moyland in Germany contribute frequent "noises off" of their own. Moreover, there are a couple of edits with which to contend, the most glaring being at 1' 11" in "The Queen of the Air" from Homage to the Queen (tr 15). And why no proper gaps between individual works? In a word, frustrating.

Andrew Achenbach


 

Freie Presse Chemnitz

Insektarium im Oberlichtsaal

Neue Konzertreihe startet im Museum Gunzenhauser mit Cembalomusik

„Kontext Musik" heißt eine neue Konzertreihe im Museum Gunzenhauser und man möchte mit ihr hörbare Bögen spannen von Entwicklungen in der Musik zu Werken der im Museum beheimateten Bildenden Kunst.

Das erste Konzert trug den Untertitel „Malerei und Musik im Alten Stil" und war der beeindruckenden Sammlung der Portraits und Landschaften von Otto Dix aus den Jahren 1930 -1942 konzeptionell zugeeignet.

Was die vom jungen Pianisten und Cembalisten Moritz Ernst hervorragend dargebotenen Werke u.a. von Byrd, Bach, Cowell und Ligeti mit der Farbabbildung auf dem Programmblatt (einem Aquarell von Fritz Sruckenberg) und den Bildern von Otto Dix, welche leider nur vor dem inneren Auge derjenigen sichbar wurden, welche zu einem früheren Zeitpunkt zur persönlichen Bildbetrachtung gekommen waren, nun genau verbinden sollte, war schwer zu erspüren, zumal man während des Konzertes stets unausweichlich von Horst Antes großer Figur oder dem „Schlaf der Freiheit" von Karl Horst Hödike umgeben war.

Dessen ungeachtet erlebten die interessierten Zuhörer ein Cembalokonzert, welches wahrhaft weite Bögen spannte zwischen dem rund vierhundert Jahre „jungen" Stück „All in a Garden Green" des englischen Virginalisten William Byrd und dem wild - ekstatisch, stolpernd - pulsierenden „Hungarian Rock" von György Ligeti.

Und was es sonst noch alles zu entdecken gab zwischen diesen beiden Werken, hat mancher Freund der Cembalomusik dann doch nicht so vermutet. Sicherlich, Barockes von Händel (Suite Nr.2 F-Dur) und Bach (Vier Duette aus der Klavierübung Teil III) erfüllte die Erwartungen, zumal excellent und nuancenreich gespielt wurde. Als aber Tausendfüßler, Wasserspinnen. Meeresflöhe und Ameisen von Jean Francaix „L'insectarium" (1959) aus dem Cembalodeckel krabbelten, staunte man schon schmunzelnd erregt.

Miklos Maros „Bogen" rückte sich ganz in die Nähe von Ligeti und „Set of Four" von Clustererfinder und großartigem Inspirator nicht nur der amerikanischen Musik, Henry Cowell, hinterliess einen tiefen Eindruck. Mit der ihm geradezu eigensinnigen Art. Traditionelles in Rondo und Choral mit herrlich irren Clusterklängen zu durchsetzen, ein Fugenthema in den Raum zu stellen, bei welchem sich andere Komponisten ob seiner Kürze und scheinbaren Plattheit die Haare gerauft hätten, gelingt Cowell ein großartiges Stück Musik. Das Publikum dankte zum Konzertende begeistert und bekam von Moritz Ernst das Ende der Bachschen Goldbergvariationen mit auf den sonntäglichen Heimweg.

-wink-


 

Badische Zeitung

MORITZ ERNST

präsentierte in seinem Konzert im Kurhaus Badenweiler ein Feuerwerk von Klangfarben auf dem Piano

Der junge Pianist Moritz Ernst erfreute am Flügel Augen und Ohren seines Publikums durch brillantes, virtuoses Spiel mit einer enorm reichhaltigen Palette an Klangfarben unterschiedlichster Nuancierungen.Er leitete das Konzert ein mit den selten gespielten Variationen op.34 von L. v. Beethoven melodisch mit vielen Trillern die er mit Leichtigkeit und Ausdauer, feinstens differenziert spielte.

Die Suite "Im Freien" von Bela Bartok erfreute das Publikum durch Gegensätze von kraftvollen donnernden und ganz langsamen leisen Passagen besonders im Kernstück "Klänge der Nacht" einem der Schlüsselwerke des 20. Jh. Trommeln, Pfeifen, Zwitschern, Rauschen und Zirpen wurden mühelos hörbar durch die geschmeidige Technik da Ton, Klang, Farbe und Dynamik keine Wünsche offen ließen. Nach der Pause präsentierte Moritz Ernst die „Theme et variations“ von Lili Boulanger und die ebenfalls selten gespielte Sonate op.106 des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel wobei es ihm gelang über eine halbe Stunde einen Spannungsbogen zu erhalten und sein Publikum zu fesseln. manch einer im Publikum konnte es kaum fassen, mit welcher Leichtigkeit, Geschwindigkeit, Ausdauer und Zielsicherheit die Hände bei diesem horrend schweren Werk über die Tasten flogen. Als Zugabe wurde sehr plastisch ein Prélude von Debussy und eine Polka von Sir Malcolm Arnold geboten, welche besonders die humoristische Seite des virtuosen Pianisten Moritz Ernst zeigte. Das äußerst beeindruckte Publikum, welches konzentriert und nahezu regungslos den Klängen lauschte bedankte sich für diesen Abend mit langem und rhythmischem Beifall.

Ob Klavier oder auch am Cembalo - man darf sich sicher auf weitere Konzerte mit Moritz Ernst in Badenweiler freuen.



Badische Zeitung

Harte Kost für Freunde der Klaviermusik

Moritz Ernst spielte in Grenzach-Wyhlen Stockhausen

Schön bequem sitzen die Klavierfreunde auf den neuen Sitzkissen im Konzertraum des Instituts für bildnerisches Denken in Grenzach-Wyhlen. Aber mit dem gemütlichen Zurücklehnen und entspannten Lauschen ist es an diesem Abend spätestens dann vorbei, wenn der Junge Pianist Moritz Ernst mit weißen Fingerhandschuhen Karlheinz Stockhausens nach wie vor spektakuläres Klavierstück X auf führt, von dem es einmal ziemlich drastisch hieß: „Mehr Prügel als Flügel…“ Man war also vorgewarnt.

Und tatsächlich sprengt dieses Stück schon die gewohnten Dimensionen, bringt den Interpreten wie die Zuhörer in Grenzbereich des Spiel- und Hörbaren. Der Flügel wird hart ran genommen bei den Klavier-Attacken von brachialer Wucht und Heftigkeit. Da wird mit vollem Einsatz gespielt, nicht nur mit den Fingern, sondern auch mit den Handballen wie in den Glissandi im Pianissimo oder mit den Unterarmen wie in den so genannten „Doppelunterarm-Clustern“.

Dabei gilt der 20-jährige Moritz Ernst, der an diesem Abend kurzfristig für die erkrankte Marie-Luise Hinrichs eingesprungen ist, noch als einer der „lyrischsten" Interpreten dieses Klavierstücks. Er stürzt sich nicht nur mit donnernder Kraft, sondern auch mit analytischem Kopf in dieses radikale Klavierwerk, das heute, rund 50 Jahre nach seiner Entstehung, wohl schon ein „Klassiker" der modernen Musik ist.

Harte Kost und Provokation ist dieser Stockhausen nach wie vor: Die schroffen Gegensätze von laut und leise, schnell und langsam, die strukturellen Abläufe, die asymmetrische Rhythmik, die geballten Cluster-Kaskaden, die Extreme und jähen Wechsel zwischen brutal gehämmerten Klängen und dem langen Ausschwingen und Ausklingen lassen machen das Hören schon anstrengend.

Dagegen kam einem der Schönberg zuvor noch wie reinster Balsam für die Ohren vor. Schönbergs „Sechs Klavierstücke" op.19, die Anton von Webern einmal als „zarte, unglaublich ausdrucksvolle Gebilde“ bezeichnet hat, klingen in ihrer aphoristischen miniaturhaften Kürze fast schon entmaterialisiert. Moritz Ernst spielt sie auch sehr schön, leicht hingetupft, filigran und luftig, und doch immer hochpräzise. Fast nahtlos schließt der Pianist aus Paderborn die Variationen und Doppelfuge op. 3a von Viktor Ullmann über ein Thema von Schönberg an. Bei allem pianistischen Furor gegen Schluss dieser „Schönberg-Variationen" bleibt Moritz Ernst immer beherrscht, selbst in den wild ausbrechenden Passagen. (…)

Roswitha Frey


 

Die Zeitschirft "Partituren" (Ausgabe 8/2006)  machte eine Umfrage an 56 "führende deutsche Musikkritiker". Die Frage lautete:"Welcher Musiker beeindruckt Sie derzeit am meisten?" Hierbei wurde Moritz Ernst von Sigfried Schibli (Basel) in der Rubrik "Nachwuchs" genannt.


 

Beim Abschlusskonzert des Pianofestivals Feuchtwangen stellte Moritz Ernst seine enorme Virtuosität unter Beweis.

(...) Die Arpeggien spielte er ungeheuer fließend und die kleinen Tonschritte mit ungeheurer Weichheit.

(...) Vom Allegro confuoco der Brahmssonate [Op.1] gelang ihm eine wahrhaft feurige Interpretation. Dies gelang vor allem durch die breite Dynamik und die ungeheure Schnelligkeit, die er in sein Spiel legte.

(...) Die großen Fortepassagen wirkten gewaltig.

(...) Kraftvolles Finale eines gelungenen Konzertes!

 

Fränkische Landeszeitung