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Seit dem Start 2011 des Festivals MUZICA SUPRIMATA für Siebenbürgen gehört Moritz Ernst zu den konstituierenden Interpreten. In dieser Konzertreihe stellt er dem Publikum Musik aus dem riesigen Reservoire der ehemals Verfemten Musik vor. Zunächst das Klavierwerk des Siebenbürgers und Schönberg-Schülers Norbert von Hannenheim, zusammen mit dem des "Theresienstädter Komponisten" und Schönberg-Schülers Viktor Ullmann.
Beide wurden 1898 geboren, beide entstammten geadelten Familien, beide waren Schüler Schönbergs,
beide gewannen den Hertzka-Preis der Universal-Edition, beider Werke wurden trotzdem zu ihren Lebzeiten lediglich im Selbstverlag herausgegeben. Beider Psychen kamen an ihre Grenzen der Belastbarkeit, sie passten in die furchtbar gewandelte Wirklichkeit im Nationalsozialismus nicht mehr hinein, als Mensch nicht und als Komponist nicht. Beider Leben endete nach dem Willen der Nationalsozialisten gewaltsam.
Von beider Werk muss nach Verfolgung und Krieg und Not vieles wohl bleibend als verschollen gelten.
Welchen Beitrag zur Musik haben sie geleistet, was muss als solcher wahrgenommen werden und in welcher Form muss er für die Musikgeschichte gewürdigt werden?
Norbert von Hannenheim hat eine kühle  Melodik und Farbigkeit, die ihresgleichen sucht und die ich so noch nicht realisiert hatte. Dabei immer von äußerster "clarté". Dazu eine Logik der Linienführung, die sich sofort erschließt und für die er kaum Vortragsbezeichnungen benötigt. Faszinierend!
Eine neuartige Harmonik zwischen Tonalität und Atonalität – Viktor Ullmann sprach selbst von „Polytonalität“ -, hochgespannter musikalischer Ausdruck und meisterliche Beherrschung der formalen Gestaltung gehören zu den Charakteristika von Ullmanns unverwechselbarem persönlichem Stil.

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Aufgrund seines Einsatzes für die mikrotonale Musik des Komponisten Ivan Wyschnegradsky, kam Moritz Ernst mit dem Komponisten Bernfried Pröve in Kontakt. Ursprünglich nur aus Interesse an dessen Werken für das 1/16tonklavier, entwickelte sich sehr schnell ein reger Austausch zwischen den beiden Musikern.
Dieser Austausch gipfelt in einer Gesamtaufnahme sämtlicher Klavierwerke Pröves auf dem Label edition zeitklang auf sieben (!) CDs.

Bernfried E. G. Pröve, geboren am 06.01.1963 in Braunschweig. 1982-85 Kompositions-, Schulmusikstudium mit Hauptfach Orgel an der Hochschule der Künste Berlin, u.a. bei Prof. I. Yun und Prof. R. Heinemann. 1985-91 Kompositions- und Musiktheorieaufbaustudium an der Hochschule für Musik Freiburg, Komposition bei Prof. K. Huber, Elektronische Musik bei Prof. M. Maiguasca, Dirigiert bei Prof. F. Travis, Klavier bei Prof. J. Avery und Musiktheorie bei Prof. P. Förtig. Teilnahme an Kompositionskursen bei F. Donatoni, B. Ferneyhough, T. Murail, G. Ligeti.

1989 „Composer in residence“ an der Hamburger Staatsoper, gleichzeitig Tätigkeit als Korrepetitor. 1991-93 folgten Lehraufträge sowie ein Studium der Film- und Medienkunde sowie Filmmusik an der Filmakademie Ludwigsburg. Nach dem Diplom 1994, Dirigierstudium bei Peter Eötvös am Internationalen Eötvös-Institut sowie Dirigat beim Klangforum Wien. Im gleichen Jahr Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom.

Von 1995-1996 Doktorat für "Computerunterstütztes Komponieren" am IRCAM und der Sorbonne in Paris. 1997 Uraufführung der Oper "Herzstück" nach Heiner Müller in Hof/Saale. 1997-2001 Organist an der Petri-Pauli-Kirche, Bad Münder. Leiter der Konzertreihe "Klanghorizonte Bad Münder". Seit 2000 Dozent für Klavier- und Musiktheorie an der Musischen Akademie Braunschweig. Seit 2002 künstlerischer Leiter der Konzertreihe Klangkonzepte Berlin. Für sein Schaffen, das von Kammer- und Orchestermusik, über Oper und Ballett bis hin zur elektronischen Musik reicht, erhielt Pröve nationale und internationale Stipendien und Auszeichnungen, u.a. den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart und den 1. Preis (Grand Prix) der Jeunesses-Musicales und den Prix Européen Belgrad.

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Ein Projekt der besonderen Art ist soeben (2008) in Vorbereitung:
Die Aufführung und Einspielung des gesamten Klavierwerkes des großen englischen Komponisten Sir Malcolm Arnold (1921-2006). Einige Aufführungen in London und Basel stehen schon fest, über weitere wird soeben verhandelt. Gleiches gilt für die Aufführung der Arnoldschen Werke für Klavier und Orchester.
Programmvorschläge für reine Arnoldkonzerte (Länge 50 bzw. 90 min) finden Sie unten.
Außerdem bietet Moritz Ernst natürlich Programme an, in denen Arnold in den Kontext seiner Zeit bzw. der gesamten Geschichte der Klaviermusik gestellt wird. Fragen Sie danach.
Weitere Informationen zu Sir Malcolm Arnold finden Sie unter
www.malcolmarnold.co.uk .

Aquarell, Gerhard van der Grinten (2007)